Sonntag, Oktober 07, 2007
Im Karussell platzen die (Gesamt-)Siegträume
Die rennentscheidende Szene beim 27. Bergrennen Mickhausen: Lionel Regal touchiert mit seinem F3000 in Heat drei die Stahlschienen im Karussell, beschädigt seinen Reynard und verliert rund zwölf Sekunden gegenüber Lauf zwei. Damit war der sichere fünfte Gesamtsieg in unerreichbare Ferne gerückt. Dennoch: Regal fuhr neuen Streckenrekord und wurde letztlich noch beachtlicher Gesamt-Vierter.
Foto: Karlheinz Franz
Die Entscheidung beim Internationalen 27. Bergrennen Mickhausen ist exakt um 15.03 Uhr gefallen. Lionel Regal, der viermalige Gesamtsieger des Traditionsbergrennens in den Stauden, fährt mit seinem F3000 Reynard am Ende des 3. Wertungslaufes mit mäßiger Geschwindigkeit auf das Karussell zu. Beim Einlenken in die scharfe Rechtskurve gerät der Monoposto des Franzosen weit nach links, touchiert die Stahlplanken und beschädigt sich die Felge des linken Hinterrades, kann aber weiterfahren bis ins Ziel.
Dort angekommen, beträgt der Zeitverlust gegenüber Heat zwei rund zwölf Sekunden. Streckenrekordinhaber Regal tritt zwar noch zum letzten Rennlauf an, bleibt mit 50,022 Sekunden aber deutlich unter seinem Möglichkeiten. Am Ende wird der Franzose Gesamt-Vierter und muss bei der Siegerehrung sichtlich traurig miterleben, wie Fausto Bormolini (I), László Szász (HUN) und Marcel Steiner (CH) ihm am Ende die Schau stehlen.
Bei der Analyse des Malheurs steht ziemlich schnell fest: Ein schleichender Plattfuß muss Auslöser für diesen Leitplankenkontakt gewesen sein. Das passt auch zum Gesamtbild des Zwischenfalls: Regal war nicht besonders schnell in der Karussell-Kurve. Und der Reynard untersteuerte sehr stark – deutliche Anzeichen also für einen slow puncher.
Eines mag den sympathischen Rennfahrer trotz allem Pech und des entgangenen sicheren Gesamtsieges Nr. fünf in Mickhausen trösten: In Heat zwei verbesserte Lionel Regal seinen eigenen Streckenrekord von 49,333 auf 48,896 Sekunden. Daran wird sich die Konkurrenz vermutlich noch lange die Zähne ausbeißen.
Der Rest ist schnell reportet: Marcel Steiner sichert sich im Martini MK77 die CN-Wertung und festigt damit seinen deutschen Vizemeistertitel. Uwe Lang, nach seinem Abflug in St. Agatha diesmal als Service-Helfer vor Ort, fehlte ebenso wie der zehnfache deutsche Berg-Champion Herbert Stenger, dessen Eigenbau-CN in Eichenbühl bei einem Horror-Unfall restlos zerstört wurde.
Sensationell die Besetzung in der Tourenwagen-Division mit 18 Startern in der E1 über 3000ccm. Im Mittelpunkt steht klar das Duell von Georg Plasa und Reto Meisel. Beide liefern sich ein packendes Duell, das Eidgenosse Meisel im Mercedes RM1 am Ende für sich entscheidet – dank seines besseren Laufes in Heat eins, als er dem Warngauer rund 1,3 Sekunden einschenkt. Die restlichen Läufe gehen allesamt an Plasa im BMW 320 Judd V8, der sich am Ende mit rund vier Zehnteln geschlagen geben muss.
Dramatisch dabei auch der Kampf um den neuen Tourenwagen-Streckenrekord: Meisel verbessert in Heat zwei seine im Vorjahr aufgestellte Rekordmarke, hat die Tourenwagen-Bestzeit wenige Sekunden später dann aber schon wieder los - verloren an Georg Plasa. Auch in Lauf drei schlägt der Warngauer erbarmungslos zurück: Reto legt abermals vor, Plasa kontert und ist mit 53,397 Sekunden neuer Tourenwagen-Streckenrekordhalter. Zumindest bis zur 28. Auflage des Bergrennens Mickhausen in 2008.
In der mit 35 Fahrern wiederum stark besetzten H2000 lässt Youngster Sebastian Schmitt im Ex-Pott-Kadett in Heat eins zunächst die Muskeln spielen. Routinier Holger Hovemann hält im C-Kadett Coupé jedoch souverän dagegen und sichert sich am Ende den Klassensieg mit rund 1,2 Sekunden vor Schmitt und dem zweiten superstarken Youngster Björn Wiebe im Renault Clio Williams 16V.
In der H1600 distanziert Ralf Kroll die Konkurrenz erneut und fährt im VW Golf 1600 auf Augenhöhe mit Hovemann im Zwei-Liter-Kadett. Zweiter Hans Paulitsch im Scirocco liegt 6,5 Sekunden zurück, gefolgt von Frank Brügge im VW Golf I mit weiteren 7,5 s Abstand.
In der 22 Fahrer starken H1300 geht Peter Naumanns Versuch, den vorauseilenden Klaus Bernert abzufangen, gründlich in die Hose. Naumann parkt den gelben Polo in Heat drei bei P17 spektakulär neben der Strecke – und zwar so, dass das Auto auf der Fahrerseite zum Liegen kommt. Der schnelle Polotreter entsteigt dem schwer beschädigten Rennwagen ohne Blessuren. Das Wrack ist jetzt gut für die Teile-Börse.
Robert Bauer gewinnt die H1150 im Polo überraschend klar mit 3,5 s vor Abonnementsieger Jürgen Hessberger im Fiat 127, gefolgt von Jörg Eberle im Polo. Steffen Hofmann holt sich im NSU Berg-Pokal den Sieg vor Jochen Schittenhelm und Jörg Höber. Nicola Höllerich wuchtet den schön designeten NSU vorwärts in die Planken und tut sich dabei ordentlich weh. Auch Uwe Schindler stellt seinen NSU unfreiwillig ab, nachdem er rückwärts gegen ein Hindernis geknallt war.
©khf
Ergebnisse Int. 27. ADAC-Bergrennen Mickhausen hier zum Download:
Mickhausen2007_Rennen_Gesamt.pdf
Mickhausen2007_Rennen_Klassen.pdf