Mittwoch, Februar 20, 2008
Kyffhäuser Bergrennen 2008 auf der Kippe
Gegenwärtig sieht es so aus, als ob dieses Jahr keine Rennmotoren im Kyffhäuser Gebirge erklingen werden. Nachdem das letztjährige Orga-Team des Kyffhäuser Bergrennens seinen Rücktritt erklärt hat und Heinz Sievert als Vorsitzender des Nordhäuser MSC selbst keine Möglichkeit sieht, das Bergrennen ein achtes Mal zu organisieren, ist mit einer Rücknahme der Anmeldung beim DMSB zu rechnen. Im Bild Kenneth Allan im Ford Escort Cosworth bei einem Rennlauf auf der kurvenreichen Strecke im Kyffhäuser Gebirge.
Foto: Karlheinz Franz
Beim Nordhäuser MSC hängt der Haussegen ganz gewaltig schief. Und das bereits seit geraumer Zeit. Der Karren steckt so tief im Dreck, dass nach gegenwärtigem Stand kaum von der Durchführung des Kyffhäuser Bergrennens ausgegangen werden kann. Erst Recht nicht, seitdem das letztjährige Organisationsteam soeben erklärt hat, es werde in 2008 nicht zur Verfügung stehen.
Wie das Orga-Team mit Dietmar Zänker, Marcel Kübler, Lutz Pfeil, Jochen Gropengießer und Henry Hahn jetzt mitgeteilt hat, war das 16. ADAC Kyffhäuser Bergrennen aus ihrer Sicht eine erfolgreiche Veranstaltung. „Trotz der uns hinterlassenen schwierigen Rahmenbedingungen gelang es, ein Event zu organisieren, welches begeisternden Bergrennsport bot und auf das wir gerne für zukünftige Veranstaltungen aufbauen würden.“
Aber: „Unter den bestehenden Voraussetzungen sehen wir die Möglichkeit zur weiteren Zusammenarbeit mit dem Nordhäuser MSC allerdings als nicht gegeben.“ Nur eine umfassende und professionelle Kooperationsbereitschaft in jeder Vereinsebene und die Überzeugung, dass der Bergrennsport bei allen Beteiligten vor persönlichen Befindlichkeiten stehe, machten solche Veranstaltungen in Deutschland erst zu dem, was sie sein sollten - ein Erlebnis für alle Besucher und Mitwirkende.
Das Orga-Team weiter: „Für dieses Jahr ist eine solche gesunde Basis zur Vorbereitung und Durchführung des Kyffhäuser Bergrennens aus unserer Sicht nicht vorhanden. Die Entscheidung, hiermit als Organisationsteam für 2008 zurück zu treten, ist uns sehr schwer gefallen und erst nach reiflichen Überlegungen getroffen worden. Wir schauen aber für zukünftige Rennen am Berg der Berge optimistisch in die Zukunft.“
Nachdem Vorsitzender Heinz Sievert in den zurückliegenden Jahren mehrfach hatte anklingen lassen, er werde als Organisationsleiter nicht mehr zur Verfügung stehen, setzte er diese Ankündigung nach dem 2006er Rennen, das von unglücklichen Entscheidungen der Rennleitung negativ beeinflusst worden war, in die Tat um. Ein neues Orga-Team bildete sich und machte 2007 einen guten Job. Allerdings gingen auf Deutschlands schwierigster Bergrennstrecke mit Start in Sachsen-Anhalt und Ziel in Thüringen lediglich 50 Fahrer ins Rennen.
Unterschiedliche Auffassungen bezüglich der jeweiligen Kompetenzen haben schließlich zu einer Beinahe-Eskalation geführt. Hauptstreitpunkt war wohl das liebe Geld. „Wir hatten von Anfang an klar gemacht, dass wir über das von uns besorgte Geld auch ganzheitlich verfügen würden“, sagt Zänker gegenüber der SMS-Redaktion. Heinz Sievert kontert, die Gesamtverantwortung liege laut Satzung des Nordhäuser MSC immer noch in Händen der Vorstandschaft. Bei Sievert laufen diesbezüglich seit vielen Jahren die Fäden zusammen.
Ein weiterer Vorwurf des jetzt zurückgetretenen Orga-Teams zielt in Richtung Transparenz. Die von der Vorstandschaft geforderten Zahlen aus früheren Veranstaltungen seien nicht vorgelegt worden. Stimmt nicht, kontert der Vorsitzende. Richtig sei, dass das Orga-Team die Richtigkeit einer von ihn, Sievert, vorgelegten Excel-Datei mit allen Zahlen angezweifelt habe. Eine weitere Offenlegung hätte ohne Weiteres in Form der Einsichtnahme in die Kontoauszüge erfolgen können. Die geforderte Herausgabe der Bankbelege habe Sievert abgelehnt.
Marcel Kübler und Dietmar Zänker: „Man darf nicht vergessen, dass wir jede Menge Geld von Sponsoren besorgt haben. Sogar die Mitglieder des Orga-Teams haben dem Nordhäuser MSC private Darlehen eingeräumt, damit die Veranstaltung überhaupt stattfinden konnte.“ Den Vorwurf der Vorstandschaft, es sei zu viel Geld ausgegeben worden (u. a. für die Zeitnahme, d. Red.), lässt das Orga-Team nicht gelten.
Für Vorsitzenden Heinz Sievert ist Situation inzwischen so verfahren, dass er dem 2008er Bergrennen im Kyffhäuser Gebirge kaum mehr Chancen einräumt. Er werde noch einen letzten Versuch unternehmen, jemanden für die Durchführung der Veranstaltung zu finden. „Sonst gebe ich die Anmeldung zurück.“ Außerdem: Er sieht nicht wirklich eine gute wirtschaftliche Plattform für das Rennen, zumal der KW-Bergcup erneut fehlen würde und das Zuschauerpotenzial seiner Auffassung nach bei maximal 2500 ausgeschöpft sei. Und: “Wir haben noch einiges an Verbindlichkeiten wegen des Leitplankenbaus.”
In Anbetracht der Querelen, des großen Misstrauens und der total verhärteten Fronten habe er selbst bereits im Januar 2007 seinen Rücktritt angeboten. „Offensichtlich ist aber niemand bereit, die Gesamtverantwortung zu übernehmen. Neben dem Bergrennen gibt es nämlich auch noch eine Rallye und den Bereich Jugend-Kart zu organisieren und verantwortlich zu leiten.“
Nach den Recherchen der SMS-Redaktion hat das zurückgetretene Orga-Team inzwischen die Neugründung eines Vereins ins Auge gefasst. Nach den Vorstellungen des fünfköpfigen Teams soll die „Kyffhäuser Motorsport-Gemeinschaft“ (KMG) bereits ab 2009 für die Durchführung des Kyffhäuser Bergrennens verantwortlich zeichnen.
©khf